Seit sieben Jahren soll am Taucha Bahnhof eigentlich ein einzigartiger Bau stehen: der buddhistische Tempel „Chân Tĩnh Thiền Viện”. Das Holzbauwerk, das komplett ohne Nägel oder Schrauben errichtet werden soll, wurde bereits 2018 in Vietnam gefertigt und wartet seitdem – in Einzelteilen - an einem geheimen Ort auf seine Verwirklichung. Doch Genehmigungsfragen und Visaprobleme für die vietnamesischen Handwerker, die den Tempel auf traditionelle Weise errichten sollen, haben das Projekt immer wieder ausgebremst. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen.
„Ein buddhistischer Mönch hat drei Millionen Dollar gesammelt, um Deutschland diesen Tempel zu schenken. Und wir bekommen es nicht hin, dieses Geschenk anzunehmen.”
Architekt Marco Stelzel, der sich um die Genehmigungen kümmert und den Bau betreuen wird, reiste vor wenigen Tagen selbst nach Vietnam, um die Sache vor Ort zu klären. Gemeinsam mit Thomas Schmidt, ehemaliger Sächsischer Staatsminister für Landwirtschaft und Regionalentwicklung, besuchte er die deutsche Botschaft in Hanoi. Dort habe er die zuständigen, mittlerweile neuen Mitarbeiter, mit der langen Geschichte konfrontiert worden, erzählt Stelzel: „Man muss sich das vorstellen: Ein Tempelmeister, also ein buddhistischer Mönch, hat drei Millionen Dollar gesammelt, um Deutschland diesen Tempel zu schenken. Und wir bekommen es nicht hin, dieses Geschenk anzunehmen, weil es immer wieder genehmigungsrechtliche Herausforderungen gibt, die Baumeister nach Deutschland zu lassen.“
Jetzt geht es an die Umsetzung: Die erforderlichen Papiere müssen zusammengestellt werden. Sowohl die Stadt Taucha als auch der Landkreis Nordsachsen müssen das öffentliche Interesse am Tempel schriftlich bestätigen. Zudem ist eine sogenannte Negativbescheinigung vom Landesarbeitsamt nötig – eine formale Voraussetzung, weil die vietnamesischen Handwerker keine deutsche Staatsbürgerschaft haben.
Fünf Spezialisten aus Vietnam sollen den Tempel aufbauen. Christian Nieling, Leiter des Amtes für Migration und Ausländerrecht im Landkreis Nordsachsen, hat sich laut Stelzel ebenfalls stark gemacht. Der Architekt zeigt sich zuversichtlich: „Jetzt bin ich froh, dass wir das nach so vielen Jahren lösen konnten.“
Geplant ist ein Baubeginn im Juni oder Juli 2025. Der Tempel soll in rund einem halben Jahr stehen. Auch die Außenanlagen inklusive eines Zen-Gartens werden aus Vietnam kommen. Bis zum Frühjahr 2026 soll alles fertiggestellt sein. In diesem Zuge würde auch die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes folgen.
Tauchas Bürgermeister Tobias Meier unterstützt das Vorhaben: „Unser Schreiben, in dem wir das öffentliche Interesse am Tempel bestätigen, ist schon fertig.“ Auch in den Vorjahren habe man solche Bestätigungen immer wieder gegeben. „Gut, dass nun wieder ein neuer Weg gefunden wurde. Wir drücken die Daumen, dass es nun klappt und freuen uns auf ein kulturelles Denkmal sowie auf einen Ort des Austauschs und der Verständigung in unserer schönen Parthestadt.“
Das eingelagerte Material sei nach wie vor in gutem Zustand: trocken und intakt. Nach Jahren des Wartens könnte das Tempelprojekt damit doch noch zu einem besonderen Symbol der Verbindung zwischen Vietnam und Deutschland werden.