Die Sanierung von Haus 9 auf dem Gelände des Rittergutsschlosses Taucha ist eine spannende Angelegenheit. Denn dabei kommt eine besondere Bauweise zum Einsatz: Weil die Tragfähigkeit der historischen Außenmauern nicht eingeschätzt werden kann, wird eine sogenannte Haus-in-Haus-Lösung umgesetzt. Aktuell sind nur noch die Grundmauern sichtbar, das Dach wurde bereits vollständig entfernt.
Birgit Plewe, Bauleiterin der Stadtverwaltung Taucha, erläutert: „Teile des Gebäudes stammen vermutlich aus dem 10. Jahrhundert. Seitdem hat das Haus zahlreiche Nutzungen erfahren – vom herrschaftlichen Bau bis hin zum Schweinestall zu DDR-Zeiten. Durch die vielen Umbauten erwarten uns jetzt immer wieder Überraschungen.“ Tatsächlich hätten die aktuellen Bauarbeiten bereits erste Schwierigkeiten offenbart: „Beim Aushub des Bodens sind trotz vorheriger Baugrunduntersuchungen verschiedene Bodenschichten entdeckt worden. Besonders schwierig gestaltet sich die teilweise fehlende oder nicht tief genug reichende Gründung der Außen- und Innenwände.“
Aufgrund dieser Herausforderungen sei eine Anpassung der bisherigen Planung nötig, so Plewe: „Gemeinsam mit dem Planungsbüro S & P und deren Statikern wird nun fallweise direkt vor Ort entschieden, wie wir weiter vorgehen. Fakt ist, dass wir eine neue Bodenplatte gießen müssen. Der Aushub dafür ist erfolgt.“ Die Konstruktion sei zwingend nötig für ein solches öffentliches Gebäude, das über eine geprüfte Statik verfügen müsse.
Die Stadt Taucha hat sich in Abstimmung mit der Denkmalpflege für eine innovative Herangehensweise entschieden. Plewe erklärt: „Die Außenwände bleiben zwar erhalten, tragen aber zukünftig keine Lasten mehr aus Decken oder Dachtragwerk. Stattdessen bauen wir innerhalb der bestehenden Struktur ein komplett neues Haus, das statisch unabhängig von den historischen Mauern steht.“ Von außen werde dies später nicht sichtbar sein. Das Dach geht bis raus über die historischen Mauern, ruht aber auf den neuen, innenliegenden Wänden. „Das gesamte Vorgehen erfolgt in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege“, unterstreicht Plewe die Sensibilität der Sanierung.
Die Fertigstellung von Haus 9 wird somit nicht nur das Rittergutsschloss Taucha optisch abrunden, sondern auch Anforderungen an eine moderne Stadtbibliothek mit historischem Erhalt verbinden.